Ich finde „Frühstück zum Abendessen“ sonntagabends völlig legitim.
Brot, Ei, Käse, vielleicht noch irgendein Joghurt. Das ist objektiv kaum weniger Abendessen als viele Sachen, die man sonst extra kochen würde.
Man darf es nur nicht Kühlschrankreste nennen.
Sonntagessen lässt sich manchmal schon am Samstag erledigen, ohne daraus gleich Meal Prep für sieben Tage zu machen. Eine Portion Curry, Suppe oder Pasta mehr kochen, in den Kühlschrank stellen, fertig. Planung kann erstaunlich klein sein.
Sonntagabend ist bei mir regelmäßig der Moment, in dem Senf plötzlich wie ein Lebensmittel wirkt.
Heute im Kühlschrank: Butter, eine halbe Zitrone, Parmesan und drei Sachen, die nur zusammen ein Gericht ergeben würden, wenn man sehr großzügig mit dem Wort Gericht umgeht.
Gestern war ich übrigens im Supermarkt.
Ich habe Getränke gekauft.
Ein Tiefkühlfach ist sonntagabends weniger Küchengerät als Versicherung.
Irgendeine Portion Suppe, eine halbe Packung Gemüse oder die Pizza, die seit drei Wochen „für irgendwann“ da liegt, bekommt plötzlich einen sehr konkreten Termin.
Kühlschrank voll.
Senf.
Sojasauce.
Halbe Zitrone.
Drei offene Gläser.
Eine Scheibe Käse.
Lebensmittelbestand: vorhanden.
Abendessenbestand: weiterhin kritisch.
Für Sonntagabend findet sich meistens noch irgendetwas.
Das eigentliche Problem beginnt Montagmorgen, wenn für Frühstück und Mittag ebenfalls nichts da ist und aus „morgen gehe ich einkaufen“ plötzlich ein Termin vor der Arbeit wird.
Ein fast leerer Kühlschrank ist manchmal auch nur ein Kühlschrank voller Zutaten, die man normalerweise nicht miteinander geplant hätte. Das letzte Gemüse, etwas Käse, ein Ei und irgendeine Beilage ergeben selten das Rezept des Jahres. Für Sonntagabend reicht „funktioniert zusammen“ gelegentlich völlig aus.
Sonntags merke ich immer, wie viele meiner normalen Abendessen eigentlich auf „ich gehe noch kurz zum Supermarkt“ basieren.
Heute gab es Nudeln mit Butter und Parmesan.
War ehrlich gesagt völlig okay.
Problematisch wird es erst morgen, weil ich jetzt auch keine Nudeln mehr habe.
Ich versuche inzwischen, ein paar langweilige Sachen dauerhaft im Schrank zu haben: Reis, Nudeln, Dosentomaten, Linsen. Nicht für Meal Prep und nicht für Krisenvorsorge. Einfach für Sonntage, an denen der Kühlschrank wenig Ideen liefert und ich trotzdem keine kulinarische Rettungsaktion starten möchte.
Samstag Milch vergessen.
Sonntag fünf Euro Liefergebühr vermeiden.
Also zwölf Euro an der Tankstelle ausgeben.
Finanzplanung abgeschlossen.
Ein leerer Kühlschrank am Sonntag ist nervig. Gleichzeitig ist es einer der wenigen Momente, in denen „ich kaufe das einfach gleich“ keine Option ist.
Dann wird aus Einkaufen kurz wieder Planung statt Reflex. Nicht immer angenehm, aber irgendwie auch interessant.
Freitag direkt nach der Arbeit weggefahren. Sonntagabend zurück. Tasche abgestellt, Kühlschrank geöffnet und festgestellt, dass man beim Verlassen der Stadt offenbar auch die zukünftige Version von sich selbst vergessen hat. Reisen endet manchmal nicht am Bahnhof, sondern bei der Frage, was jetzt noch Abendessen werden soll.
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